OC-Freestyle

Neben dem Freestylepaddeln in geschlossenen Booten in einer stehenden Welle gibt es auch noch das Freestylepaddeln im offenen Canadier (OC). Diese Variante des Paddeln präsentiert sich völlig anders. Gepaddelt wird auf ruhigem und stehendem Gewässer, möglichst bei Windstille, also völlig unspektakulär.

Das Ziel des OC-Freestyle ist die Bootsbewegung und hier vor allem die Drehung um 180° mit minimalem Krafteinsatz. Die Beherrschung des Bootes steht hier im Vordergrund. Da der Paddler versucht, sehr harmonisch und mit geringst möglichem Krafteinsatz zu arbeiten, sehen diese Manöver vor allem wie aus? Unspektakulär!

Das OC-Freestylepaddeln ist in den 70er Jahren zuerst in Nordamerika aus dem Canadian Style Paddeln entstanden, als die ersten Solocanadier auf den Markt kamen. Beim Canadian Style (oder auch Omering nach dem Canoeguide Omer Stringer benannt) sitzt der Paddler in der Bootsmitte eines Tandemcanadier, aber sehr zu seiner Paddelseite verlagert, so dass das Boot stark angekantet fährt. Dies hat den Vorteil, dass auch ein großes Boot leicht zu beherrschen und vor allem zu drehen ist. Der Paddler verschwindet beim Canadian Style fast im Boot, es sieht aus, als würde sich das Boot von alleine drehen.

AxelDie OC-Freestyler kanten das Boot ebenfalls sehr stark an, möglichst bis zur Wasseroberfläche, um das Boot sehr drehfreudig zu machen. Dann wird mit gezielten Paddelschlägen, die sich aus den drei Abschnitten Initiation, Placement und Conclusion zusammensetzen, gedreht. Es gibt vier grundlegende Paddelschläge: Axel, Post, Christie und Wedge, die jeweils entweder mit einem J-Schlag oder mit einem Bogenschlag eingeleitet werden (Initiation), mit einer hohen oder flachen Paddelstütze umgesetzt werden (Placement) und dann das Manöver mit einem Bogenschlag oder einem loaded Slice abzuschließen (Conclusion). Erstmal sehr unspektakulär.

ChristiDie Manöver können in der Vorwärts- wie in der Rückwärtsfahrt durchgeführt werden, sie können sowohl auf der eigentlichen Paddelseite (Onsite) sowie auf der Gegenseite (Offsite) durchgeführt werden, was dann für jeden Schlag vier Varianten, in Summe also 16 Varianten ergibt. Verbunden werden diese Manöver mit normalen Vorwärts- oder Rückwärtsschlägen sowie mit Sideslips. Der Paddler versucht durch entsprechende Gewichtsverlagerung in den Bug durch das Aufrichten des Körpers und durch starkes Ankanten die Drehfreudigkeit des Bootes zu erhöhen, was es ihm wiederum erlaubt, den Krafteinsatz auf das Wesentliche zu reduzieren. Dadurch wirken die Manöver auch eher unspektakulär.

Um die Manövrierfähigkeit des Bootes zu erhöhen, hat der Paddler noch die Möglichkeit, sich im Boot zu bewegen. Z.B. kann er sich quer ins Boot setzen, um einen Post bequemer ausführen zu können oder er legt ein Knie auf den Süllrand, um den Schwerpunkt noch weiter in den Bug zu verlagern. Und wenn er keine Rückwärtsmanöver mag, kann er sich auch gleich im Boot umdrehen (McKenzie-Reversal), um wieder vorwärts paddeln zu können, was ihn aber nicht davon abhalten sollte, wenn er denn schon rückwärts im Boot sitzt, nicht auch rückwärts zu paddeln, so dass das Boot also völlig unspektakulär vorwärts fährt.

Wie man sieht, bewegen sich Freestyler sehr gerne im Boot, was eine gute Koordination und ein gutes  Gleichgewichtsgefühl erfordert. Auch eine kräftige Oberschenkelmuskulatur schadet dabei nichts. Aber letztendlich wirken Freestylemanöver eher wie Meditation auf dem Wasser, das Boot dreht sich in ruhigen Drehungen über das Wasser, zwischen den Manövern wird das Boot durch wenige Schläge sanft beschleunigt, um dann wieder in das nächste Manöver abzugleiten. Der Paddler sucht diese Ruhe, so dass es von außen vor allem wie aussieht? Unspektakulär!

Man kann diese Kombination von Manövern auch zu Musik durchführen, was dann wie ein langsamer Tanz aussieht (Canoe-Dance). In Nordamerika gibt es auch Meisterschaften in dieser speziellen Sportart, davon sind wir Europäer zum Glück noch nicht infiziert. Die Freestyler oder auch Kringler treffen sich einmal im Jahr am Edersee zum Kringelfieber, um miteinander zu paddeln und sich auszutauschen und auf unspektakuläre Weise Zeit miteinander zu verbringen.